Editorial

Den »emanzipatorischen Charakter von Bildung in den Mittelpunkt des Interesses gerückt« zu haben, wie Anna M. Liebmann auf Seite 4 dieser Versorgerin schreibt, ist das große Verdienst der StudentInnenproteste, die seit Wochen auf den österreichischen Universitäten anhalten. Am Demonstrationszug des »Aktionstages« am 5. November in Linz, vom Volksgarten bis hinein in den Saal der Stadtwerkstatt, wo eine Diskussionsveranstaltung mit unter anderem Robert Menasse stattgefunden hat, nahmen mindestens 1000 UnterstützerInnen teil. Vor dem Audi Max der Universität Wien spielt die Geschichte von Erwin Riess auf Seite 5. Sein Herr Groll hat dort einen Stand mit selbstgekochter Fischsuppe aufgebaut – aus Solidarität mit den Studierenden.
Demonstriert wurde letzte Woche in Linz auch gegen die geplante Stadtwache, die dem neuen FPÖ-»Sicherheitsstadtrat« Detlef Wimmer quasi als Einstandsgeschenk gemacht wird und als »soziale Selektionsmaschine« (Georg Seeßlen) im öffentlichen Raum fungieren soll. Lesen Sie mehr über »die Sicherheit, die sie meinen« in einem Artikel von Franz Fend auf Seite 3.
Das Kulturhauptstadtjahr wird ja nun bald Geschichte sein. An Peinlichkeiten nicht eben arm sticht bei 09 insbesondere das Projekt »Linzer Auge« ins Auge (oder, da wieder entfernt, eben nicht). Chris Eder recherchierte seinen Werdegang für die doNAUtik Abteilung der Stadtwerkstatt (Seite 7). Loben kann man 09 für die Ermöglichung der Centropa-Ausstellung »Bibliothek der geretteten Erinnerungen« im Linzer Wissensturm, die Luis Liendo Espinoza für die Versorgerin besucht hat (Seite 9). Die Verfilmung von Orwells Klassiker »Animal Farm« von 1954 ist wahrscheinlich vielen noch aus dem Schulunterricht in Erinnerung. Stephan Grigat bringt Thesen zu dieser »schlechte(n) Stalinismuskritik« auf Seite 8.
Fortgesetzt wird die Versorgerin-Serie zur Medienkunst der 80er/90er Jahre auf den Seiten 10 und 11. Franz Xaver richtete seine Fragen diesmal an die Wiener Projektkünstlerin Gertrude Moser-Wagner und dem Professor in Leipzig und Künstler Helmut Mark. Der Frage, was der Unabomber Ted Kaczinsky mit der Finanzkrise zu tun hat, geht auf Seite 6 Franz Xaver in seinem Text »Kunst nach den neuen Medien« nach.
Über einen Relaunch ihres feministischen und antirassistischen Online-Magazins »migraZine« berichten die beiden Redakteurinnen Cristiane Tasinato und Vina Yun auf Seite 12. Spotsz-Heraugeberin Tanja Brandmayr schreibt auf Seite 13 über das FDR-Projekt »Zizlau 83«, über das nun auch ein Film und ein Buch erschienen sind, und den Wohnbau der 1930er Jahre. Und schließlich – zur Stärkung der Vorfreude – ein Text von Jörg Sundermeier über die »Goldenen Zitronen«, die am 2. Dezember in der Stadtwerkstatt gastieren.

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k.

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#84
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Versorgerin 2011

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