Rausschreien und Reinsagen

Oftmals passieren derartigen Ungeheuerlichkeiten, dass man gar nicht weiß, wohin mit all der Entrüstung, dem gerechten Zorn und der blinden Wut. Es am Stammtisch zu erzählen oder umgehend die beste Freundin anzurufen mag für die eigene Psycho-Hygiene durchaus
brauchbar sein. Ändern wird das die Verhältnisse aber nicht. Empörung hilft am besten, wenn sie öffentlich geäußert wird. Daher hat das FROzine – das werktägliche Info-Magazin auf Radio FRO 105.0 – den Kommentar der Woche eingeführt. Jeden Dienstag wird hier ein Kommentar zum Zeitgeschehen gesendet. Die Kommentare stammen von unterschiedlichen Menschen und behandeln alle möglichen Themen. Eben das, was eine/r/m gerade aufstößt.
Und das Beste an der Sache: diese Möglichkeit steht allen offen. Ein mail an redaktion@fro.at genügt. Sollte man den Text nicht selbst einsprechen können, dann erledigen auch das die Leute von FRO. Oliver Jagosch, zum Beispiel hat sich über ein Plakat des freiheitlichen Landesrat Haimbuchner geärgert. Zeigt dieses doch die Kornblume, ein Erkennungszeichen der illegalen Nazis vor dem Anschluss 1938.
Als Beispiel und kleiner Appetitanreger für eigene Texte, hier dieser Beitrag von Oliver. (Die Reimform ist natürlich nicht verpflichtend.)

Die blaue Kornblume – ein Kommentar von Oliver Jagosch

»Die blaue Kornblum wohnt versteckt,
So hab ich meinen Schatz entdeckt.
Sie kann nicht meinen Händen wehren,
Wiegt sie wie‘s Sommerfeld die Ähren,
Die Ähren sind jetzt körnerschwer,
Als lag schon Brot mannshoch umher,
Und nahrhaft wie im Bäckerhaus
Steht‘s an der langen Landstraß aus.
Mein Schatz die Ähren streicheln tut.
»Nach Leben riechen sie so gut,«
Sagt sie. Und schau ich roten Mohn,
So sang ich auch sein Feuer schon.
Ich gab gern alle Ähren her,
Und gern war mir die Hand brotleer,
Blieb mir am Lebensend davon
Liebe betäubend wie der Mohn.«

Soweit einmal dieses wunderbare Gedicht von Max Dauthendey. Und um den Sprung in unsere Zeit zu schaffen, und thematisch bei der blauen Kornblume zu bleiben, folgt dieses:

Die blaue Kornblum wohnt versteckt,
wo sich sammelt der Nationalistendreck.
Und nicht nur dort, nein auch ganz offen,
ward sie wo anders angetroffen.
Sie prangt ganz groß auf ‘nem Plakate,
dem Haimbuchner zur Leibstandarte.
Ein Fest der Natur das sollt‘ es sein,
doch das ist nur zum Augenschein,
nein,
es ist Werbung klipp und klar,
für die extreme rechte Schar.
Als Code getarnt für alle jene
die sich bewegen in der Szene.
Der Mutter und dem lieben Kind,
welche am rechten Auge blind
wird‘s nur vermitteln, ach wie schön,
ein Blümelein ist dort zu seh‘n.

Doch mir ist‘s allemal zuwider
wenn er bescheitelt grinst hernieder,
der Haimbuchner, der rechte Recke
der mit den Burschis unter der Decke
und deutschnational bis dorthinaus,
es ist ja wirklich schon ein Graus!
Die sollen sich halt einfach schleichen;
ihr als Politiker, setzt ein Zeichen!
Wenn ihr schon seid so geil auf Deutschland,
dann bitte habt ein wenig Anstand
und begebet euch mit eurem Sack
und auch gleich mit dem ganzen Pack
nach Piefkonien hinaus,
und ärgert die dort grad heraus,
mit Symbolen aus vergangener Zeit!
Dann endlich wären wir befreit,
vom braunen und vom blauen Scheiß.
Ihr alle könnt mich mal kreuzweis‘!
Faschistenpack im Nadelstreif;
und ich behaupte fest und steif,
würd‘ Bildung herrschen in diesem Land
dann hättet ihr ‘nen schweren Stand!
Und nun zurück zu unserem Thema
es läuft eh immer nach dem gleichen Schema:
Die Rechten mit dem Steuergeld
gehen um als g‘hört ihnen die Welt.

Und das Ärgste ist, dass wohl niemand vom Land Oberösterreich etwas dagegen hat, dass Landesrat Haimbuchner mit der blauen Kornblume (und jetzt werden die FPÖler gleich wieder schreien: »ewiggestriges linkslinkes Denken«), ein nazionalsozialistisches Symbol auf ein Plakat zur Bewerbung des
»Fest der Natur« hinauf pflanzt. Geht‘s noch?
Wie ungustiös geht‘s zu in diesem Land? Und da kann auch niemand mehr irgendwie beschwichtigend herumlamentieren! Herr Landeshauptmann Pühringer: Haben sie ihre Landesräte nicht im Griff oder warum ist auf öffentlichen, wohl mit Steuergeldern finanzierten Plakaten das Erkennungsmerkmal der illegalen Nazis aus den 30er Jahren zu sehen (unter einem FPÖ Landesrat - von denen ist man ja eh nix anderes gewöhnt)? Können sie mir das erklären? Aber, wem sag ich denn das – ach ja ... einem, der selbst mit den Deutschnationalen feiert und tanzt!

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